ECPAT Österreich, Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Rechte der Kinder vor sexueller Ausbeutung

Kinderschutz

Fakten & Zahlen zu Gewalt an Kindern

...jedoch ist die Dunkelziffer bei sexueller Gewalt an Kindern sehr hoch. Das heißt, dass sich Statistiken nur auf bekannt gewordene bzw. angezeigte Fälle beziehen können.

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Prävention und Richtlinien

Die individuelle Prävention die bei Sensibilisierung und Wissensvermittlung beginnt, ist ein wichtiger Schritt zur Verhinderung von sexuellen Übergriffen.


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Rechtliche Entwicklung

Seit 1997 ist Kindesmissbrauch, der von ÖsterreicherInnen im Ausland begangen wird, auch in Österreich strafbar. Ein Jahr später wurde Gewalt in der Erziehung verboten.

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Aktuelle Studien zu Österreich

Hier finden Sie einen Überblick zu relevanten Studien zu Gewalt an Kindern und in der Familie in Österreich und Studien zur Online Sicherheit.

 

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Fakten & Zahlen zu Gewalt an Kindern

Die Dunkelziffer, also die Zahl der nicht gemeldeten und daher nicht bekannten Fälle, ist bei sexueller Gewalt an Kindern sehr hoch. Das heißt, dass sich Statistiken nur auf bekannt gewordene bzw. angezeigte Fälle beziehen können. ExpertInnen sind jedoch in der Lage, Schätzungen vornehmen, die das Dunkelfeld berücksichtigen. So geht man z.B. davon aus, dass weltweit jedes 4. Mädchen und jeder 8. Bub mindestens einmal während der Kindheit bzw. Jugend Opfer eines sexuellen Übergriffs wird (Unicef 2014).

Noch schwieriger ist es, genaue Zahlen zu kommerzieller, sexueller Ausbeutung zu eruieren. Die betroffenen Kinder nehmen sich selbst oft nicht als Opfer wahr, da sie häufig von TäterInnen manipuliert werden. Auch Scham und Angst verhindern eine Meldung an Behörden. Zudem fehlen eine einheitliche Definition von kommerzieller sexueller Ausbeutung und spezifische Methoden zur Datenerfassung.

Das Ausmaß der seelischen und körperlichen Verletzungen durch diesen Missbrauch kann aber ohnehin nicht in Zahlen gemessen werden. Für ECPAT ist schon EIN Kind, das kommerziell ausgebeutet wird zu viel.

 

Häusliche Gewalt

Sechs von zehn Kindern zwischen zwei und 14 Jahren erleben regelmäßig körperliche Strafen. Dies sind etwa eine Milliarde Kinder weltweit (UNICEF 2014).

Etwa jedes vierte Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren weltweit berichtet, dass es körperlichen Übergriffen ausgesetzt war. Sieben von zehn Opfern haben nie Hilfe gesucht, um die Übergriffe zu stoppen.  (UNICEF 2014)

In Österreich gab es 2013 nach § 206 und § 207 StGB zu „(schwerem) sexuellen Missbrauch von Unmündigen“ 462 Verurteilungen (Statistik Austria, 2013).

Sexuelle Ausbeutung

Die aktuellste Studie der International Arbeitsorganisation (ILO 2012) geht weltweit von 20,9 Millionen Menschen in Zwangsarbeitsverhältnissen aus, wobei rund 5,5 Millionen (26%) minderjährig sind. Diese Art von Arbeitsverhältnis wird definiert als "Arbeit oder Dienst, die von Menschen unter der Bedrohung physisch, psychisch oder finanziell bestraft zu werden und gegen den eigenen Willen vollzogen wird". Davon sind 4,5 Millionen (22%) Personen von sexueller Ausbeutung betroffen. 

Kinderhandel/Menschenhandel

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht davon aus, dass weltweit 2,4 Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel sind (ILO, 2009). 

Im Zeitraum von 2007 bis 2010 waren nach Angaben von UNODC 55-60 % aller Betroffenen von  Menschenhandel weiblich und rund 27 % Kinder unter 18 Jahre (UNODC, 2014).

Im Zeitraum 2010-2012 berichtet Eurostat von 30.146 behördlich registrierten Fällen von Menschenhandel in der EU, davon seien insgesamt 80% der Betroffenen weiblich, 16% minderjährig, und 2% zwischen 0 und 11 Jahre alt. Die Mehrheit (69%) der registrierten gehandelten Opfer wurden sexuell ausgebeutet, von den weiblichen Opfern seien es insgesamt 85%.

Innerhalb Österreichs wurden 2012, laut  Angaben von Eurostat, 103 Personen als Betroffene des Menschenhandels identifiziert (EU, 2013). 

Kinderpornographie bzw. Missbrauchsdarstellungen von Kindern

Die Internet Watch Foundation ging im Jahr 2014 von weltweit 31.266 Webseiten mit Darstellungen von sexuellem Missbrauch von Kindern aus. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Anstieg um 137%!  (IWF, 2014). 

80 Prozent der minderjährigen Opfer, die auf kommerziellen, pornografischen Bildern zu sehen sind, sind jünger als 10 Jahre (ECPAT International, 2008).

In Österreich gingen 2014 bei der Meldestelle „Stopline“ 5.895 Hinweise zu Kinderpornografie ein, 995 der gemeldeten Darstellungen wurden als illegal eingestuft. (Stopline, 2015). Aber in nur 344 Fällen kam es nach § 207a StGB – Pornographische Darstellungen Minderjähriger zu Verurteilungen (Statistik Austria, 2013).

 

 

Prävention und Kinderschutzrichtlinien

Ein Erwachsener oder ein Jugendlicher nützt bei einer sexuellen Ausbeutung seine körperliche, geistige und emotionale Überlegenheit aus, um seine eigenen Bedürfnisse durch sexuelle Handlungen mit oder an Kindern zu befriedigen. Fast immer kommen die Täter bzw. Täterinnen aus dem nahen sozialen Umfeld des betroffenen Kindes oder Jugendlichen. Die individuelle Prävention, die bei den Kindern und Jugendlichen sowie deren Betreuungspersonen durch Sensibilisierung und Wissensvermittlung beginnt, ist ein wichtiger Schritt zur Verhinderung von sexuellen Übergriffen. Dabei wird oft die Bedeutung der „strukturellen Prävention“ in Organisationen bzw. Institutionen vergessen. Prävention in einer Einrichtung/Institution/Organisation umfasst stets mehrere Ebenen:

  • Schutz und Stärkung der potentiellen Opfer, nämlich von Kindern und Jugendlichen (Ansprechperson, Aufklärung etc).
  • Die Einrichtung/Institution/Organisation mit einem „Schutzschild“ gegen mögliche TäterInnen ausstatten. Das heißt: Beginnend mit einer sorgfältigen Analyse (Basis-Assessment), werden bestehende Schutzmechanismen sowie Schachstellen in der Organisationen anhand erprobter Kriterien identifiziert. Darauf aufbauend wird mit den Verantwortlichen ein Konzept für eine die Adaptierung bestehender Richtlinien bzw. die Entwicklung und Umsetzung einer Kinderschutzrichtlinie nach internationalen Standards entwickelt. Das Konzept mit den MitarbeiterInnen erprobt und schrittweise umgesetzt.

ECPAT Österreich unterstützt seit 2010 Organisationen und Einrichtungen bei der Entwicklung und Umsetzung von Kindeschutzrichtlinien.

 

 

Rechtslage und rechtliche Entwicklung

Exterritorial Gesetz

Seit 1997 ist Kindesmissbrauch, der von österreichischen StaatsbürgerInnen bzw. in Österreich dauerhaft lebenden AusländerInnen im Ausland begangen wird auch in Österreich strafbar und die TäterInnen können hierzulande vor Gericht kommen (§64 StGB). Das gilt selbst, wenn die Tat im entsprechenden Ausland nicht als Verbrechen gesehen wird! Dennoch ist die Zahl der Verurteilungen sehr gering, da die österreichischen Behörden zu wenige Hinweise über Vergehen im Ausland erhalten. Dies hat zum einen mit Problemen bei der grenzüberschreitenden Kooperation von Strafverfolgungsbehörden, bei der Beweissicherung, aber auch mit dem Mangel an Meldungen zu tun.

Gewaltverbot in der Erziehung

Seit 1989 ist in Österreich Gewalt in der Erziehung verboten, 2011 wurde das Gewaltverbot sogar in den Verfassungsrang gehoben. Durch das Gesetz ist es Eltern untersagt, jegliche Gewalt als Erziehungsmittel anzuwenden und dem Kind körperliche oder seelische Leiden zuzufügen, was Artikel 19 der Kinderrechtskonvention entspricht. In der Realität sieht es leider anders aus: Noch immer wissen Studien zufolge 30 Prozent der Eltern über das Gewaltverbot in der Erziehung nicht Bescheid;die Hälfte gibt zu, ihre Kinder mit „leichten, körperlichen Strafen“ wie Ohrfeigen zu erziehen. Weltweit haben lediglich 39 Länder alle Formen der Gewalt gegen Kinder verboten.

 

 

Aktuelle Studien zu Österreich

STUDIEN ZU GEWALT AN KINDERN

Gewaltprävalenz-Studie Österreich 2011

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld. Befragt wurden insgesamt 1.292 Frauen und 1.042 Männer, insgesamt 2.334 Personen im Alter zwischen 16 und 60 Jahren zu vier zentralen Gewaltformen: psychische Gewalt, körperliche Gewalt, sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt.

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Kriminalstatistik 2011

Polizeiliche Opferstatistik und Gewaltprävalenzstudie 2011 vom  Österreichisches Institut für Familienforschung

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Gewaltverbotstudie 2014

25 Jahre gesetzliches Gewaltverbot – eine Zwischenbilanz Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Familien und Jugend gemeinsam mit den Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs in Auftrag gegeben und finanziert.

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STUDIEN ZUR ONLINE SICHERHEIT

Sexting Studie 2015

Safer Internet befragte Jugendliche zwischen 14-18 Jahren zu Erfahrungen und Motiven rund um das Thema „Sexting“.

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